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Glosse
CITY OF DESTRUCTIVE DESIGN

Dass Graz „City of Design“ ist, sollte der Bevölkerung noch näher gebracht werden. Es gibt Grazer, die das trotz der geistreichen Transparente, geschmackvollen Bierdeckel und der schlicht genialen roten Laufbahn nicht wissen. Da hilft nach dem Prinzip der Neurose nur „Mehr vom Gleichen“. Und darum hat die CIS nun einen Wettbewerb für T-Shirts ausgeschrieben. Da Design in alle Lebensbereiche hineingetragen werden soll, muss die UNESCO-Botschaft auch auf der Brust getragen werden. Als Aufschrift bietet sich an: „Design gibt dem Nichts eine Form.“
Die Steigerung des Kreativen ist der kreative Industrielle, der weiß, wie und wo seine Ideen zu fördern sind. Der aus allem etwas machen kann, sogar gottgleich aus nichts alles.
Wie viele Fliegerbomben wohl noch im Untergrund schlummern? Wehe, wenn sie erwachen! Dann wird die „City of Design“ ein neues Erschei-nungsbild bekommen: Ganz Graz ein Bombenkrater.
Darin liegen natürlich Chancen für den Tourismus. Ein Gang durch Graz, die Trümmerstadt, wird zur Zeitreise. So hat es im Krieg ausgesehen. Die ausgebombte Bevölkerung haust in Notquartieren oder flieht aufs Land. Jetzt könnte der Wiederaufbau beginnen, doch man entschließt sich für die Konservierung der Zerstörung. Denn die nächste Bombe geht bestimmt
wieder hoch. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, wie viele Bomben unentschärft herumliegen und wo. Ein Experte gesteht: „Jede Zahl wäre eine Mutmaßung.“ Ein Minenfeld vor der Ernte. Und diese Ernte wird wiederum die CIS einfahren. Denn so schlimm kann keine Katastrophe sein, dass sich aus ihr nicht durch Ästhetisierung Gewinn schlagen ließe.
Heute zuckt niemand bei Explosionen mit der Wimper, allzu vertraut ist der Krach. Bei Stille wird man schon eher nervös. Die Bevölkerung hat gelernt, den Tatsachen ins Auge zu sehen: Wir wandeln auf einem Bom-benteppich. Es gilt, das Beste daraus zu designen.
Kriegsfilme werden in Zukunft fast ausschließlich in Graz gedreht. Die
Diagonale wird in „Martiale“ umbenannt und zeigt die im abgelaufenen Jahr entstandenen Schlachtenepen. Für den besten Film wird die Trophäe „Fat Boy“ verliehen, eine getreue Miniaturnachbildung der Hiroshima-Bombe. Die Gelassenheit der Bevölkerung wird gerne mit den stoischen Einwohnern von Fukushima verglichen und erntet durchaus Kopfschütteln.
Unsere Mentalität wird einfach nicht verstanden. Auch von uns selber nicht. Wir sind Grazer, wir wissen, dass alles nur Design ist. Auch das Trauma, das wir bewohnen. Graz sehen und einer Bombe zum Opfer fallen. City of destructive Design.

Verfasser/in:
Günter Eichberger, Glosse

Verfasser / in:

Günter Eichberger

Datum:

Fri 23/12/2011

Kommentare

Sehr geehrter Herr Windisch,

wir nehmen Ihre Verwunderung zur Kenntnis. Üblicherweise lassen wir den Leserkommentaren freien Lauf (- das Niveau dieser Diskussion sei dahingestellt). Lediglich bei Diffamierungen von Personen und menschenverachtenden Inhalten sehen wir uns verpflichtet, einzugreifen. Bei dem die Architekturpublizistin Karin Tschavgova betreffenden Satz "Sie hat ja sonst nichts zu tun" handelt es sich unserer Meinung nach um eine Diffamierung, die u. U. sogar zu einer Klage führen könnte. Eine Zensur bedeutet übrigens, unerwünschte Inhalte zu unterdrücken bzw. zu streichen. Davon kann in diesem Fall offensichtlich nicht die Rede sein. Die Aussage von Frau Tschavgova "... und sagen nicht, was SIE von diesem Scheiß halten?" werten wir als persönliche, freie Meinung zu einem Textinhalt. Interessant und die Diskussion befruchtend wäre gewesen, wenn Frau Tschavgova sich dazu genauer geäußert hätte. Aber auch das steht ihr frei.

zensur auf diesem portal!

da gibts endlich mal wieder diskussion auf gat. grund: ein höchst geistreicher kommentar zur city of design, bei dem sich offensichtlich die geister scheinden. beim lesen der geistreichen bis geistlosen kommentare dazu kann man sich wirklich amüsieren.
aber dann wird die diskussion von redaktionsseite abgewürgt.
Grund: der fragwürdige Schutz einer Kommentatorin, die selbst ordentlich ausgeteilt hat.
das bedarf schon einer erklärung.

Stopp!

Ich ersuche, die Diffamierungen von Karin Tschavgova einzustellen und wenn, dann auf den Inhalt der Glosse Bezug zu nehmen.

vollkommen richtig

Herr Max, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Die konstruktive Kritik von Frau DI Tschavgova kann ich nur unterstreichen: "Scheiß" muss auch als "Scheiß" bezeichnet werden dürfen. Selbst wenn es sich um einen Schas handelt. Wer Frau Tschavgovas einnehmendes Wesen kennt, Ihre einfühlsame Art, die Generosität Ihres Urteils, wird nur ausrufen: Lasst dieses Kompetenzzentrum in Ruhe abkanzeln! Sie hat ja sonst nichts zu tun...
Verehrung
G.E.

Ha, ha, 3x

sagt mal, findet ihr diese persönlichen angriffe auf die person, die ihr auch namentlich verhunzt, wirklich angebracht? was hat sie euch getan, außer dass sie ihre meinung zu einem text, den sie (schei..) schlecht findet, hier laut geäußert hat?

klarstellung

Mag. Paul Pechmann legt Wert auf die Feststellung, dass er nicht mit dem Mag. Paul Pechmann vorangegangener Eintragungen identisch ist, denn schließlich habe er ja einen Ruf als virtuoser Stilist zu verlieren. Die betreffenden Kommentare aber seien geeignet, sein Ansehen in der Literatur- und Wissenschaftsszene bis in alle Ewigkeit herabzusetzen. Die Betulichkeit des Stils der letzten Eintragung erinnere ihn an eine ausgewiesene Kennerin der steirischen Architekturszene, der erste Eintrag an einen bestimmten Grazer Autor - "allerdings auf Acid". Er selbst sei keine Mystifikation, sondern ein Mensch aus Fleisch und vor allem Blut.
Cheers
Anna

bitte etwas mehr niveau

Allerwerteste Frau Tschavgova,
ich muss denn doch ein Mindestmaß an Niveau einfordern. Von Fäkalinjurien ist im Zusammenhang mit diesem nicht nur von mir äußerst geschätzten Autor - siehe FAZ über "Überall im All derselbe Alltag", Presse über "Alias", ich selbst im Falter über "Nein" - abzusehen. Dass sich in der von manchen Ignoranten oder humorlosen Tanten nicht verstandenen Glosse über die CIS en miniature auch das erkenntniskritische Anliegen "eines der ganz großen Sprachartisten unseres Landes" (Werner Krause)spiegelt, liegt auf der Hand. Allerdings nicht für Leute, deren kritischer Horizont von ihrem fachspezifischen Suppenrand eingegrenzt wird. Dass einer von Eichbergers GAT-Beiträgen auch in der Ihnen möglicherweise bekannten "Presse" nachgedruckt wurde, mag vielleicht sogar Ihnen zu denken geben. Und falls Sie sich an die Warhol-Wool-Newman Ausstellung im Kunsthaus erinnern sollten: Dort hing ein schönes Schriftbild von Wool mit dem Titel "If you can't stand a joke, go fuck yourself"...Das scheint mir der beste Kommentar zu dieser Angelegenheit.
Denn bevor Sie nicht eine Einführungsveranstaltung in Textanalyse (unter besonderer Berücksichtigung der Gattung Satire) belegt haben, werden Sie wohl niemals auch nur ein Jota von Eichbergers Werk begreifen.
Mit aufrichtigem Bedauern
Mag. Paul Pechmann

Welchen "Scheiß meinen Sie?

...den "Scheiß", den die CIS mitunter liefert und damit ordentlich Geld verschleudert (T-Shirt-Wettbewerb, Plakat- und Bierdeckel-Aktion), das KünstlerInnen und DesignerInnen in Form von direkten Förderungen besser gebrauchen könnten oder den "Scheiß", den Herr Eichberger geschrieben hat?

Fiktional-real-.....

Genau genommen (und darauf lege ich wert, werter Paul Pechmann) Carina Olga Tschavgova (erstere beide laut Taufschein). Warum aber verschanzen Sie sich als Literaturwissenschafter hinter anderen und sagen nicht, was SIE von diesem Scheiß halten?

fiktionalisierungsstrategie

Ich möchte in gebotenem Ernst darauf hinweisen, dass die Fiktionalisierungsstrategie bei Günter Eichberger Thema mehrerer literaturwissenschaftlicher Arbeiten ist. Namentlich Carina Tschavtschigovanskaja ("Der Doppelpunkt als Punktierung des Rückenmarks"), Thomas Fürchtegott Roschmucka ("Nein als Ja. Das Paradoxon als affirmative Negation") und Wilhelm Hengstschläger ("Flann O'Brien als Vorläufer. Wie die Moderne im Werk Günter Eichbergers antizipiert wird.")Was darin dem de facto und de jure nicht ausdeutbarem Werk dieses unwägbaren Autors an hermeneutischer Hell- und Dunkelsicht hinzugefügt wird, kann die Postmoderne in einem fulminaten Kahlschlag zu einem ungeahnten Durchbruch wie Durchfall führen.
Als sein Lektor (beim weltbekannten Ritter Verlag) kann ich diese Entwicklung nur zustimmend wie energisch widersprechend auf- und weghebend unterstützend...was weiß ich...
Mag. Paul Pechmann (nach Diktat verschollen)

dummenkopf

Du sein Dummenkopf, der nicht wissen irgendwas. Du dead in the head, darummen du nicht verstehen. Du nicht lesen können und schreiben aber schon gar nichten, du dildolillo! wegen du und gleichendu sein welt so ein scheißendreck!
mit vorzüglicher hochachtung
dr. matthias geigl

schwere sprache

"Mit diesem Artikeln". O ja, schwer diesen deutschen sprachen diesen, sehr schweren! und verstehen tun auch nichten. basen nicht, säuren! und denen sauen auch nicht denen, denen hirnen schweinsklein!
schnurzfurz! ich diesen artikeln schon irgendwie verstehen, sewhr komisch seien diesen und intelligenzen, scharwenzen ins hirnen rein und rauskommen als lustenspruchen...
tschackbumms
annen

So ein Schmarrn...

Was wollen Sie mit diesem Artikeln jetzt genau aussagen? Meiner Meinung nach ein totaler Unfug. Weder intelligent noch komisch. Frohe Weihnachten.

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